Wie die kapitalistische Modernisierungsgeschichte und die aus ihrem immanenten Prozess der Verwertung blindwüchsig hervorgetriebene Produktivkraftentwicklung irreversibel sind, so gilt dies auch für ihre unkritische Verarbeitung, die in Zeiten der Fundamentalkrise nicht auf deren Überwindung zielt, sondern im Gegenteil auf ihre Notstandsverwaltung hinauszulaufen droht. Der barbarische Charakter des warenproduzierenden Patriarchats kennt weder eine theoretische, noch eine antipolitische Unschuld und schon gar nicht lässt er mit sich spielen, auch wenn das postmoderne Bewusstsein den Absturz in den immer ignoranter sich vollstreckenden Konkurrenzkampf am liebsten frohlockend und wie immer happy frisch fröhlich aushandeln würde, lauert ja die nächste „Chance“ womöglich schon an der nächsten Ecke. Trotz aller vordergründigen Kritik an der Fortschrittskategorie bleibt das postmoderne Zerfallssubjekt dem teleologischen Denken verhaftet, mit dem kleinen Unterschied, dass es unter den Bedingungen der globalen Krise schlicht keine gesellschaftliche Tragfähigkeit mehr vorfindet, weshalb sein Fortschrittshorizont auf die schiere Jetztzeit zusammenschmilzt. Der Fortschrittsgläubigkeit zu huldigen, muss jedoch nicht nur zwangsläufig in einer Verleugnung der Zukunft, sondern letztendlich ebenso in einer Verdrängung der Gegenwart münden. In der postmodernen Virtualisierung der Welt kommt der bürgerliche Fortschrittswahn zu seinem bizarren Ende.
Autor
Daniel Späth
Das Projekt einer „emanzipatorischen Antimoderne“ – Ein Nachruf auf Robert Kurz
von Daniel Späthvon Daniel Späth„Die Aussichtslosigkeit der Alternativen, wie sie aus dem modernen warenproduzierenden System noch hervorgehen, legt mit immer größerem Nachdruck die Kritik des kategorialen Zusammenhangs selbst nahe, in dessen Grenzen sich alles bisherige Denken und Handeln der Moderne bewegt hat. Man kann sich winden und wenden, wie man will: Die Moderne, das heißt die Realmetaphysik der Wertform oder das Fetischverhältnis des Kapitals, kann auf keine Weise „neu erfunden“, sondern nur noch überwunden werden. Es bedarf einer emanzipatorischen Antimoderne, die nur aus einer Transformation der linken Gesellschaftskritik hervorgehen kann.“[1]